Ich glaub ich geb mir die Kugel

Seit einigen Tagen habe ich nichts mehr geschrieben, war im Fühlen, im Zulassen, im Schauen was ist. Es wurde mir alles zu viel – mittlerweile bin ich sau froh darüber. Die Show, die Rollen die gespielt werden, Facebook, Instagram, Twitter, die ganzen Tipps, was du machen musst, um erfolgreich zu sein, die Strategien, wie du mehr Follower bekommst, die Möglichkeiten, wie du mehr Leute erreichst…. – nope not my kind of standard. I wanna go deeper, much deeper.

Oh Mann – kann hier irgendjemand mal PAUSE drücken? Besser noch RESET? Löschen? Alles löschen? Komplett? Ich will es nicht mehr hören, ich kann es nicht mehr sehen, es macht mich wütend, unrund und erdrückt mich.

Die Freebie-Konsum-Gesellschaft widert mich an.

Es berührt mich – echt im Innen. Es lähmt mich. Es ist zum Schreien, ein Grund für mich, den Sport zu pausieren, mich nach Tirol zu verziehen, mich bekochen zu lassen von meiner allerliebsten Schwiegermutter und einfach mal nichts zu machen. Auf fancy Klamotten zu verzichten, meine Gruppe zu löschen, die Postings auf meinen Kanälen einzustellen und einfach mal alles loszulassen. Ich brauche Raum um zu fühlen.

Ich möchte sicherstellen, dass ich nicht auch beginne eine Rolle zu spielen.

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Das geht so schnell. Puuuh. Doch Gefühle täuschen mich selten.

Ich hinterfrage Online-Konzepte.

Ich hinterfrage alles. Und es gibt einige Punkte, die mich massiv stören. Ein paar zähle ich hier auf. Transformiert habe ich sie bereits – deshalb kann ich jetzt auch darüber schreiben – sie gehen lassen, ziehen lassen und mit neuer Sog-Kraft weitermachen.

Als erstes nervt es mich, dass so viele das schnelle Geld sehen – und echt über Leichen gehen, nur um die/der Beste, lauteste zu sein. Sie übergehen sich selbst. Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Programme werden verkauft, Webinare werden gemacht von Menschen, die Masken tragen und Rollen spielen. Massive Masken. Im Grunde sind sie am Ende. Kurz vor dem Existenzminimum. Und doch wird daran festgehalten. Das ist ja der einzige Weg, dass ich jetzt schnell an Geld komme. Das macht man nun mal so! Hä?!? Ich muss nur so und so viele Teilnehmer haben und ich komme wieder rum – in diesem Monat. Oh Gott. Wie kann man – wenn man selbst vom Mangel zerfressen ist, nach draußen gehen und Menschen Strategien verkaufen, dass sie glücklich und zufrieden sind? What the fuck? Wo ist der RESPEKT geblieben? Dir selbst gegenüber und deinen Klienten/Kunden gegenüber? Was ist nur los mit unserer Welt?

Mich stört, dass nur über schneller, höher, weiter rausposaunt wird. Was ist mit den Gefühlen wie Scham, Schuld, Trauer, das Gefühl „nicht gut genug zu sein“, „nicht mehr zu können“, „am Ende zu sein“? Diesen Gefühlen wird kein Platz eingeräumt. Nein. Es kann wirklich befreiend sein, diese Gefühlen aufkommen zu lassen. Ihnen Raum zu geben. Sie anzunehmen. Sie zu hören, zu fühlen und rauszulassen. Und zwar ehrlich und authentisch. Es ist befreiend, wenn du Menschen in deinem Leben hast, denen du sagen kannst „Ich kann nicht mehr, ich brauche eine Pause, ich bin momentan am Ende“. Und dann kommt – kein RATSCHLAG – der dich ERSCHLAGEN würde. Warum kommt stets ein Ratschlag? Wenn ich eine Phase habe, Dinge habe, die anzusehen sind – und ich spreche mit jemanden darüber – dann brauche ich keinen Ratschlag, wie ich hier schnell wieder rauskomme. Ich brauche den Raum – gehört zu werden. Dies aussprechen zu dürfen – ohne sofort einen auf den Deckel zu bekommen – von wegen – schau, jetzt machst du dieses und jenes, versuchst diese Sichtweise und dann geht´s wieder weiter vorwärts! Muss es denn immer vorwärts gehen? Was soll das? Wohin geht es denn dann??? – wieder „Höher, schneller, schöner, weiter?“ „Wovor läufst du weg?“, frage ich mich!

Nope – hier spiele ich nicht mit. Es tut einfach nur gut, zuzuhören. Zu wissen, ich bin gut. Die Menschen zu verstehen. Jene Dinge, die am meisten gewollt werden sind – mehr Geld, Gesundheit oder Liebe/Sex und berufliche Erfüllung. Darauf haben wir auch ein Recht – von Geburt an.

Das ist doch nicht so schwer zu verstehen. Aber erreicht man diese Dinge, indem ich mit aller Kraft versuche im Außen etwas zu ändern? Mein Ansatz ist NEIN. Ich kann im Außen Dinge ausprobieren, tun, verändern – klar – und dann werde ich kurzzeitig eine Veränderung spüren. Doch ist diese nachhaltig? Ist diese Veränderung so, dass sie mein Fundament transformiert, dieses neu ordnet, es sacken darf und dann wirklich ein Fundament ist? Mein neues Fundament? Nein. Dies braucht Zeit. Beharrlichkeit. Zwei Schritte vor und einen zurück. Innehalten – spüren – und fühlen wo es mich hinzieht. 

Letzte Woche hatte ich ein tolles Gespräch mit einer sehr guten Freundin, einer Psychologin – tolle Frau. Wir haben philosophiert – über gewisse Themen eben. Begleitet von Sekt und einem genialen Frühstück. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass Frauen, die auf ihren Orgasmus bestehen im Bett – sich mehr wert sind. Sie wissen was sie wollen, laufen nicht der Masse nach und erkennen ihren Wert an. Sie definieren ihre Preise, leben selbstbestimmt, gehen eigene Wege, setzen auf Qualität anstatt Quantität und leben zufriedener und glücklicher. DAS hat was.

Ich ging noch weiter, ich stellte die These auf, dass viele Frauen einfach nur ihren Vater-Komplex überwinden müssten und die Welt sähe ganz anderes aus. Aufhören würde dieses „gefallen wollen“, diese Suche nach der Aufmerksamkeit im Außen. Dieses ständige „nach Anerkennung lechzen“. Dieses seinen Gemütszustand davon abhängig machen, wie das Feedback von Außen ist. Übrigens glaube ich an Heilung durch Intimität, dies aber ist ein anderes sauspannendes Thema…

All dies wirkte in mir. Eine Woche war vergangen. Mit viel Schlaf. Mein Gehirn durfte sich erholen von diesem Wahnsinn – der da permanent einprasselt.

Hochsensibilität kann schon auch ein Luder sein, ja auch ein Segen – es hat was 😉 Klick um zu Tweeten

Dann war es soweit.

bild_wolkenIch sitze in der Küche nippe an einem Glas Wein, die Kinder sind beim Spielen und ich sage zu meinem Mann – „Ganz im Ernst, ich mag nicht mehr leben. Das macht doch alles keinen Sinn.“

Seine Antwort ist die Beste: „Okay… und wie möchtest du es machen?“

Ich schaue ihn an – „Hmmm, darüber hab ich mir noch nicht wirklich Gedanken gemacht.“

Er meint „Du könntest irgendwo runter springen. Stell dir vor dieses Gefühl – so frei zu sein!“

Ich schüttle den Kopf und sage entschlossen „Nein, bist du verrückt. Das könnte ich nicht. Was, wenn ich mich während ich fliege nochmals um entscheide? Das ginge gar nicht!“

Er meint: „Jaja, hier müsstest du dich wirklich entscheiden. Ich glaube es ist schon geil, so frei zu sein“.

Ich so „Nein, weißt du wie ungerecht, stell dir mal vor du fliegst da runter, und prallst mit voller Wucht auf den Boden, bestehst nur noch aus vielen Einzelteilen und ich muss dich dann identifizieren?!? Das lassen wir mal bleiben.“

Er: „Ertrinken würde ich nicht wollen, erhängen auch nicht – ich glaube, das müsste man richtig machen, eine Überdosis wäre auch noch eine Möglichkeit“.

Ich: „Nein, seit ich die Kinder habe kann ich keine Drogen mehr nehmen, das geht nicht… Ich glaub, ich geb mir die Kugel.“

Pause… Stille… Wasser steigt auf in meinen Augen… aber nur ganz sanft… mein Mann sagt: „Ach, ich wäre schon sehr traurig, wenn du nicht mehr wärst. Ganz echt jetzt.“

Wir kuscheln und sind einfach nur da. Genießen einander und spüren einander. Es tut gut, seine Gedanken einfach aussprechen zu dürfen.

 Es dauert nicht lange und es kommt eine neue Kraft auf– „Hmmm, was könnte ich als nächstes anstellen? Was würde mich reizen? Was möchte ich erfahren? Welchen Traum könnte ich als nächstes angehen?“

Ein Fun-Fucking-Tastic Leben – hat seine multiplen Höhenflüge und genauso seine tiefen Abstürze. Diese sind gut. Richtig gut. Alive. Lebendig. Gehören dazu. Was es dazwischen immer wieder braucht ist die Balance. Und doch auch darf man sich Hals über Kopf wie eine wahnsinnige in Projekte reinhauen. Solange es sich gut anfühlt.

Warum schreibe ich darüber?

Weil du in der großen weiten Internetwelt so viele Tipps, Strategien und Ratschläge findest, dass ich nicht eine von vielen sein will.

Ich liebe die pure – nackte – geile Wahrheit.
Radikale Ehrlichkeit.
Ich liebe es.


Weil ich all jenen eine Stimme sein möchte, die ähnlich fühlen und es sich nicht auszusprechen trauen. Weil ich viel Feedback bekomme. Dafür möchte ich mich auch bedanken! Für das Vertrauen, das meine Klienten in mich haben. Für all eure Nachrichten. Über Höhenflüge und Abstürze. Über Schlamassel. Über Sorgen/Ängste und keine Auswege. Weil ich sehe, wie ein Höhenflug dem nächsten folgt, bis der nächste Absturz kommt. Und wie heilsam es dann ist, einfach nur da zu sein. Wie es dann transformiert und neue Kraft entsteht. Es erfüllt mich zutiefst. Und ich bin dankbar, dass ich auf dieser Welt sein darf. Ganz ich.

Und das solltest du auch sein.
Atme einfach.
Sei.
Lasse zu.
Lass dich ein.
Mache wonach dir ist.
Nur hör auf eine Rolle zu spielen.
Halte inne.
Sortiere aus.
Du bist genug.

Schreibe deine eigene einzigartige Geschichte. Die beste ist – wenn du die Rollen sein lässt – und ganz nackt DU bist. Ich find das so sexy. *Gänsehaut*

Alles Liebe...

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